Das Teilprojekt ROOTS erforscht und gestaltet Wege, die digitale Transformation in gemeinwohlorientierten Organisationen voranzubringen. Als Netzwerkpartner hat das Referat Digitale Stadt (RDS) der Stadt Leipzig die Aufgabe, die Projektinhalte für die Zielgruppen Vereine und Non-Profit Organisationen (NPO) zugänglich zu machen. Dieser Artikel fasst erste Erkenntnisse zur Ansprache der Zielgruppe für den Transfer der Projektergebnisse zusammen.
Wie erreichen wir unsere Zielgruppe?
Bei der Verbreitung und Bewerbung unserer Formate trafen wir auf verschiedene Herausforderungen.
Zum einen sind NPO stark auf ihre Kernaufgabe fokussiert. Sie haben einen klaren Organisationszweck. Dieser manifestiert sich beispielsweise in der Satzung eines eingetragenen Vereins oder der Anerkennung als Träger der Kinder- und Jugendhilfe. Der Fokus von NPO liegt auf der Erfüllung des Organisationszwecks und der bestmöglichen Verwirklichung der Organisationsziele. Somit werden vorwiegend Fachtagungen des Tätigkeitsbereichs der Organisation besucht und fachspezifische Weiterbildungsangebote gesucht. Dies erschwert es, Querschnittsthemen wie Organisationsentwicklung und digitale Transformation zu platzieren. Die begrenzten finanziellen Ressourcen tragen zusätzlich zu dieser Problematik bei.
Zum anderen ist vielen Organisationen der Mehrwert von partizipativ gestalteter digitaler Transformation nicht bewusst. Digitalisierung wird oft als extra Baustelle wahrgenommen, die Vereine und NPOs neben ihrer Kerntätigkeit mit zusätzlichen Anforderungen konfrontiert. Des Weiteren wird digitale Transformation häufig auf die Einführung und Nutzung von Softwarelösungen reduziert (zur Abgrenzung siehe Blockbeitrag digitale Transformation).
Wie schaffen wir attraktive Angebote, die die Problemlagen unserer Zielgruppe adressieren und für sie einen echten Mehrwert bieten?
Voraussetzung dafür ist ein umfassendes Verständnis von den Rahmenbedingungen und der Arbeitsweise unserer Adressaten: Was sind ihre Ausgangsbedingungen? Vor welchen Herausforderungen stehen sie? Welche Bedürfnisse haben sie?
Dazu erfolgten 2024 Erhebungen des aktuellen Standes, der Bedarfe und der Anforderungen von Non-Profit-Organisationen in Bezug auf Digitalisierung und den Einsatz von KI durch eine Umfrage, Interviews und Workshops. Beim Abgleich der formulierten Bedarfe mit den bestehenden Angeboten zu digitaler Transformation in Nonprofit-Organisationen wurde deutlich, dass bereits vielfältige, vorwiegend digitale Angebote zur Vermittlung von Kompetenzen existieren. Daher fokussierten wir unsere Angebote darauf, den Transfer auf die eigene Organisation zu begleiten und aktiv in unsere Formate zu integrieren.
Neben strukturell-organisatorischen Herausforderung, wie z.T. komplexen Trägerstrukturen und hoher Dezentralität in den Vereinen, wurden fehlende finanzielle und zeitliche Ressourcen vielfach betont. Ehrenamtliche Tätigkeit ist gekennzeichnet von begrenzten
zeitlichen Kapazitäten und wechselndem Engagement, da das Ehrenamt neben beruflichen und privaten Verpflichtungen ausgeübt wird. Hauptamtlich geprägte Organisationen stehen aufgrund der stark aufgabenbezogenen Finanzierung wiederum kaum personelle und finanzielle Ressourcen für vermeintliche Sonder- oder Zusatzthemen wie interne Organisationsentwicklung zur Verfügung. Zeit ist also ein entscheidender Faktor.
Damit Menschen ihre knappen Arbeits- oder Ehrenamtsressourcen investieren, müssen Angebote einen klaren Mehrwert für ihre Tätigkeit erkennen lassen.
Bei der Konzeption der Unterstützungsformate orientierten wir uns stark an den Rückmeldungen aus der Erhebung: Neben der Vermittlung von Kompetenzen besteht Interesse an Beratung bei der Einführung digitaler Technologien sowie an der Vernetzung und dem Wissensaustausch mit anderen Organisationen.
Basierend aus den Befragungsergebnissen und ersten erprobten Formaten entstanden in unserem zweijährigen Arbeitsprozess verschiedene Formate:
- in der Datenschutzsprechstunde erhalten ehrenamtliche Vereine Beratung in Datenschutzfragen,
- Kurse zu digitalen Kompetenzen an der Volkshochschule Leipzig können von Ehrenamtlichen kostenlos besucht werden,
- Das Smart City Lab Leipzig bietet Räumlichkeiten für Vereine und lädt mit seiner interaktiven Ausstellung ein, den digitalen Wandel zu erleben,
- Die Veranstaltungsreihen „Digital im Ehrenamt“ und „Wissenswurzeln“ verbinden in interaktiven Workshops Erkenntnisse aus der Wissenschaft mit Erfahrungen von Organisationen aus Leipzig,
- Der Tagesworkshop „Verein(t) Veränderungen angehen“ und das Organisationscoaching zu einem selbst gewählten Digitalisierungsthema bieten eine intensive Begleitung in Veränderungsprozessen.
Insbesondere in interaktiven Workshops (Veranstaltungsreihen „Digital im Ehrenamt“ und „Wissenswurzeln“ sowie Tagesworkshop „Verein(t) Veränderungen angehen“) setzen wir auf die aktive Begleitung beim Transfer und den Austausch mit anderen Organisationen.
Unser Workshop zum Thema Wissensmanagement zeigt exemplarisch, wie sich Offenheit für abstrakte Themen erzeugen lässt, indem ein direkter Mehrwert für die eigene Tätigkeit aufgezeigt wird, Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Digital im Ehrenamt“ bieten wir den Workshop mit dem Titel „Wenn Ehrenamtliche gehen – wie Wissen im Verein bleibt“ an. Die konkrete Problemstellung dienst als Ankerpunkt und erleichtert den Zugang zum Thema. In der Beantwortung der aufgeworfenen Fragestellung während des Workshops wird deutlich, dass es sich um ein umfassendes Organisationsentwicklungsthema handelt, dem wertorientiert, partizipativ und digital unterstützt begegnet werden kann.
Die vielfältigen Angebote erreichten im Jahr 2025 über 200 Menschen aus Vereinen und zivilgesellschaftlichen Organisationen.
Worin liegt unser Beitrag? Worauf zahlen wir ein?
Digitale Möglichkeiten verändern, wie wir kommunizieren und zusammenarbeiten. Deshalb versteht ROOTS Digitalisierung als Chance, die bestehenden Abläufe unter die Lupe zu nehmen und sich als gesamte Organisationen weiterzuentwickeln. So wird Digitalisierung zum Motor für gute Zusammenarbeit – und nicht bloß zur Software-Frage.
Mithilfe unserer Angebote stoßen wir diesen Veränderungsprozess an und begleiten Organisationen auf ihrem Weg. Gleichzeitig stärken wir auf individueller Ebene das
Ehrenamt als Lernort und fördern lebenslanges Lernen. Damit leisten wir einen Beitrag zur Förderung digitaler Teilhabe in der gesamten Gesellschaft – oder, wie es die Digitale Agenda der Stadt Leipzig formuliert: Wir befähigen Menschen, am digitalen Leben teilzuhaben.
Ein Beitrag von Jessica Braun.





